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Kurzeindruck: Eine Spielrunde von Ein ruhiges Jahr

Wir siedeln an einer Flussgabelung und schauen mal, was so passiert.

613 Wörter, ungefähre Lesedauer 3 Min.

Vor wenigen Tagen habe ich mit einigen Leuten in Hamburg Ein ruhiges Jahr von Avery Alder gespielt. Wir hatten uns dazu im Spielcafé Würfel & Zucker getroffen.

Tim hatte offziell zur Runde geladen und da ich das Würfel & Zucker eh mal kennenlernen wollte, bin ich auch gern aus Kiel nach Hamburg gekommen. Wir waren zu viert und saßen glücklicherweise bei einer der Kegelbahnen im Keller, denn ansonsten wäre ich zumindest eingegangen – und es wurde im eigentlichen Café oben später auch reichlich laut.

Los geht’s

Nachdem Tim uns die Spielmaterialien vorgestellt hatte, lasen reihum die Regeln vor und legten los. Unsere Siedlung lag an einer Flussgabelung, Süßwasser gab es im Überfluss, an Holz, Wild und einem Wall herrschte Mangel.

Nach und nach kamen verschiedene Entdeckungen dazu und auch verschiedene Projekte wurden auf den Weg gebracht und zumeist auch abgeschlossen. Es gab beispielsweise eine mögliche Bedrohung durch verschiedene Tiere und eine andere Siedlung etwas abseits. Ein halb zerfallener Turm wurde notdürftig repariert und als Ausguck verwendet. In der Nähe der Siedlung wurde eine Art unterirdischer Komplex entdeckt, der sehr geheimnisvoll war (Numenéra!), einige Einwohner krank machte und später auch für Erdbeben sorgte, aber dann nicht weiter in Erscheinung trat. In der Nähe der offen gelagerten Lebensmittel trieben sich im Fluss mysteriöse Wesen herum und auf der anderen Seite der kaputten Brücke tauchte ein kleiner Junge auf, zu dem sich später ein weiterer gesellte, der exakt so aussah. Wir hatten auch einige Aspekte des Lebens in der Gemeinschaft zu diskutieren.

Es passierte also so einiges, es wurde auch ein halb vergrabenes Boot gefunden, das wir bergen wollten, dazu kam es aber nicht mehr. Auch unsere in mehreren Stufen gezogene Saat fiel schließlich einer Naturkatastrophe zum Opfer. Der Frühling und Sommer waren mehr oder weniger dahingeplätschert, dann war es allerdings Herbst geworden und das Orakel gab uns heftige Entscheidungen auf. Da die Zeit knapp wurde – ich musste mit dem Bus spät am Abend noch zurück nach Kiel –, haben wir das Auftauchen der Frosthirten durch Ausspielen des Pik-Königs vorzeitig forciert. Ob das das Ende für die Siedlung bedeutete, haben wir, auch außerhalb des Spiels, offengelassen.

Die Siedlung am Ende des Spiels

Eindrücke

Ich fand die Runde an sich gut, es passierte viel. Die Mechanik, wie Entscheidungen und Diskussionen in Gemeinschaften ablaufen können, war angemessen. Ich muss gestehen, dass es für mich schwierig war, die meiste Zeit den Mund zu halten. Ich hätte zu vielen Aspekten gern etwas sagen wollen und können – aber ich durfte ja nicht. Ich meine, dass es den anderen Spielern teilweise auch so ging. Andererseits hatte ich so die Möglichkeit, mich weitergehender zu konzentrieren.

Es war für alle die erste Spielrunde, entsprechend lernten wir die Abläufe und gewannen mehr Sicherheit, während wir unsere Siedlung aufbauten und organisierten. Wenn ich mich richtig erinnere, war der Konsenz, dass wir es gern noch ein oder zwei Mal spielen wollen würden, um zu schauen, wie sich Ein ruhiges Jahr mit etwas Erfahrung entwickeln würde.

Die anderen Mitspieler fanden, dass die Ärgersteine mehr mechanische Bedeutung hätten haben können. Ich selbst empfand das nicht so und war mit den bestehenden Regeln zufrieden. Für mich waren sie einfach ein weicher Grad für die Stimmung in der Gemeinschaft.

Fazit

Ich finde, dass das Spiel in der deutschen Übersetzung gestalterisch sehr rund ist und im Ganzen auch Spaß macht. Ich denke, dass es seine wahre Macht zeigt, nachdem man es mehrfach gespielt hat. Zu Beginn lief es bei uns etwas schleppend, was sich nach hinten raus dann besserte und auch total zu erwarten war. Ich glaube, ich würde Ein ruhiges Jahr auch nochmals spielen wollen.

Vielen Dank an Tim fürs Moderieren und an Frank und Timo als Mitspieler. :)

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