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Angespielt: Pack of Strays: Wolf Run

1526 Wörter, ungefähre Lesedauer 8 Min.

Vor nicht allzu langer Zeit kam mit Asphalt die neue Ausgabe des monatlichen Codex-Magazins der Gauntlet-Community heraus*. Als ich sah, dass darin ein Hack von Pack of Strays enthalten war, entschloss ich mich schnell dazu, online eine Spielrunde anzubieten. Ich hatte mit Teilen des Spiels so meine Probleme, andere wiederum fand ich funtastisch.

* Asphalt wird in absehbarer Zeit auch für Nichtmitglieder des Gauntlet ur Verfügung stehen.

Dies ist übrigens keine Rezension, sondern repräsentiert eher persönliche Gedanken, ich bearbeite das Spiel also nicht unmfassend.

Einleitung

In Pack of Strays: Wolf Run spielen die Teilnehmenden Mitglieder eines Werwolfrudels, das durch ein unfreiwillige Outing dem Rest der Welt gegenüber zur Flucht gezwungen ist. Im Radio wird über sie berichtet, sodass bald die ersten Schaulustigen auftauchen, aber auch ernstzunehmende Jäger wie Regierungsbeamte, das Organisierte Verbrechen, religiöse Fanatiker oder sogar andere übernatürliche Wesen. Als wäre das alles nicht schon schlimm genug, wird auch noch ihr Alpha Darcy sterben, den sie aus der Stadt schaffen müssen. Es geht also um die Flucht einer marginalisierten Gruppe, die ihren Anführer verliert und sich auf die Suche nach einem neuen Leben macht.

Wir spielen Werwölfe, mit allem, was das mit sich bringt: Hohe Geschwindigkeit, große Stärke, sensible Sinne, Zusammenhalt in der Gruppe, aber auch die dunkleren Aspekte wie Gewalt, Dominanz und Unterwerfung, Blut und animalischer Sex. Gleich vorweg: Wir spielten mit der X-Card und sprachen zu Beginn darüber, ob wir vorab inhaltliche Grenzen setzen wollten. Wir einigten uns einvernehmlich darauf, dass wir den Detailgrad von Gewalt und Sex nicht im Voraus festlegen wollten, sondern im Spiel selbst gegebenenfalls einen Schleier darüber legen würden.

Mechanisches

Pack of Strays: Wolf Run ist von Fall of Magic inspiriert und mit den Strings von Monsterhearts angereichert. Das Spiel ist SL- sowie würfellos und nutzt besondere Spielkarten als Grundlage der Geographie.

Diese Spielkarten stellen öffentliche und versteckte Orte in Städten und Örtlichkeiten entlang der Fluchtroute des Rudels dar und und werden im Verlauf des Spiels aneinandergelegt, um die Bewegung zwischen ihnen zu ermöglichen. Um das für das Onlinespiel umzusetzen, baute ich in Google Zeichnungen eine Spielfläche auf, die die verschiedenen Spielkarten und entsprechende Marker für den Alpha, Werwölfe und Jäger beinhaltete. Einige weitere Marker für die Mondphasen und Markierungen kamen noch hinzu. Dafür bediente ich mich in der PDF-Datei des Spiels, was gut geklappt hat. Mitspieler Nils war von dem Konzept der Ortskarten mit vorgegebenen Spielanregungen so begeistert, dass er sich sofort entschloss, das Prinzip für sich zu stehlen.

Die Flucht und der Ausblick auf ein neues Leben

Wir bauten während der vier Runden (plus Epilog) mit den Karten Teile der Stadt Twilight Bay auf und nach dessen Verlassen Örtlichkeiten entlang einer mondbeschienenen Straße, auf der wir flüchteten. Um nicht während des Spiels ständig in Echtzeit ins Deutsche übersetzen zu müssen, hatten wir uns zu Beginn entschieden, in Amerika und mit den englischsprachigen Begriffen zu spielen. Denglish war offiziell erlaubt.

Zu Beginn des Spiels erstellten wir unsere Figuren, was ähnlich schnell ging wie bei PbtA-Spielen, weil es verschiedene Auswahlmöglichkeiten gab, die nur ausgefüllt oder unterstrichen werden mussten. So kam es dann, dass der blinde Sternenauge, der promiskuitive Schnorrer und der ehemals drogenabhängige Boomer sich in Twilight Bay wiederfanden. Wir hatten nicht lange Zeit, uns gemütlich vorzustellen, denn gleich zu Beginn wurden wir alle geoutet und mussten sehen, das wir uns aus dem Staub machten.

Wir hielten uns also noch kurz in der Stadt auf, packten dann aber unsere Sachen zusammen und flüchteten. Sehr cool finde ich am Spiel, dass die Örtlichkeiten Impulse vorgeben, die angespielt werden müssen. Beispielsweise die Silbermine, in der unsere Werwolfkräfte nicht mehr funktionierten, oder das Hackerspace Café, in dem meine Figur Boomer eine neue Identität bekam. Diese im Englischen „Prompts“ genannten Vorgaben müssen von der Spielerin in ihrer Szene angespielt werden, zusätzlich gibt es während der wechselnden Mondphasen noch allgemeine Vorgaben, auf die alle Teilnehmerinnen hinspielen müssen. So gibt es sowohl eine übergeordnete Rahmenhandlung als auch ortsspezifische Situationen, die regelmäßg wechseln.

Wir hatten Darcy vorsorglich in die alte Silbermine außerhalb der Stadt gebracht, wo er vor rivalisierenden Werwölfen relativ sicher war, und wo die Umgebung das Fortschreiten seiner Krankheit abmilderte. Dort konnten wir allerdings nicht lange bleiben, also machten wir uns zu viert auf den Weg, um mittelfristig ein ungestörteres Leben führen zu können. Relativ schnell waren verschiedene Jäger hinter uns her, die uns das Leben schwermachten: Ein lokaler Mafioso verfolgte uns bis aufs Land und ein „Cryptonut“, der übernatürliche Wesen sezierte und untersuchte, war uns auch auf den Fersen. Wir trafen außerhalb der Stadt zusätzlich auf die Zwillingsschwestern Alison und Lilith vom White-Fang-Rudel, die offensichtlich brutal angegriffen worden waren, denn aus Alisons Schulter ragte die abgebrochene Klinge eines silbernen Schwertes. Obwohl wir unsere Hilfe anboten, wurden wir von Lilith schroff abgewiesen und zogen weiter. Wir hatten eigentlich auch keine Zeit zu verlieren.

Nicht allzu lang später war dann die Zeit gekommen, sich von Darcy zu verabschieden, denn es ging ihm immer schlechter. Gerrit übernahm in dieser Szene die Rolle des sterbenden Alpha. Boomer nahm ihn auf seine dürren Schultern und trug ihn zu einer Lichtung, auf der sich eine große Fläche mit Wolfsgift befand – neben Silber der einzige Stoff, der die Kräfte von Werwölfen blockieren kann und in größeren Dosen giftig ist. Wolfsgift, auch bekannt als Eisenhut, ist übrigens auch im wirklichen Leben kein Spaß und sehr schädlich. Boomer legte Darcy also inmitten des Wolfsgifts ab und strich ihm ein letztes Mal zärtlich über den Kopf. Boomer hatte seinem Alpha viel zu verdanken, der ihn nach einem schweren Motorradunfall gerettet und verwandelt hatte. Boomer verdankte Darcy sein Leben und es war deshalb für ihn ganz natürlich, dass er seinem Alpha die letzte Ehre erweisen und ihn aus dem Leben begleiten würde. Während Boomer Darcy sanft zuflüsterte, glitt seine rechte Hand hinter sich und griff nach einem Büschel Wolfsgift … sanft, aber bestimmt, drückte er das Büschel seinem Alpha in den Rachen und hielt ihn während dessen letzten Kampfes fest in den Armen.

Schnorrer hatte sich während der Flucht eher instabil verhalten und mehrfach das Tier in sich herausgelassen, was sich in Gewalt und Zerstörung manifestierte. Schließlich zündete er den Caravan an, mit dem wir unterwegs gewesen waren und bemerkte, dass Lilith sich, ohne ihre Schwester, in der Nähe befand. Er schlich aufreizend um sie herum und versuchte sie dazu zu bewegen, sich uns anzuschließen. Ja, uns vielleicht sogar anzuführen, da unser alter Alpha jetzt tot war. Einzelne Werwölfe brauchen ein Rudel und Rudel brauchen Anführer – es schien perfekt zu passen. Lilith reagierte zunächst unentschlossen, doch Schnorrer versuchte sie weiterhin zum Liebesspiel aufzufordern, um den Pakt mit ihr zu besiegeln. Gerrit spielte Schnorrer und bat mich, Lilith als Nebenfigur zu spielen. Wir tanzten also umeinander herum, bis Schnorrer auf Lilith zusprang, um sie herauszufordern. Sie wich ihm geschickt aus, wirbelte ihn mit ihrer Hüfte herum und warf ihn mit Gewalt nieder. Dann pinnte sie seine Handgelenke auf dem Boden fest und setzte sich auf ihn …

Das war der Punkt, an dem wir einen Schleier auf den weiteren Sexakt legten. Wohin es gehen würde, war sehr deutlich geworden.

Epilog

Abschließend erzählten wir abwechselnd frei, was nach der Entscheidung für die neue Anführerin passierte und wie wir uns zu den Rocky Mountains aufmachten, um in den dortigen Höhlen ein ruhigeres Leben führen zu können. Schnorrer bemerkte bald darauf während einer Nacht die starken Lampen im Tal, wo sich unsere Verfolger versammelten, um uns zu vernichten – oder was immer sie mit uns vorhaben mochten. Am nächsten Morgen fanden wir anderen nur noch Wolfsspuren, die vom Eingang unserer Höhle einsam ins Tal führten.

Fazit

Ich fand die Prämisse des Spiels hervorragend, die Rollenspielszenen waren durchweg intensiv und spannend. Die Vorgaben der Mondphasen und die der Orte halfen uns dabei, eine Geschichte zu spinnen, auch wenn wir einen Gutteil der Zeit leider mehr mit den Spielmechaniken als mit dem Rollenspiel zu tun hatten.

Das Spiel ist sehr brettspielig aufgebaut, was mir doch einige Schwierigkeiten bereitete. Obwohl ich mir Pack of Strays: Wolf Run als Moderator mehrfach durchgelesen und es durchgearbeitet hatte, musste ich während des Spiels feststellen, dass ich es doch nicht im Griff hatte. Glücklicherweise sprang mir Gerrit bei, der die Phasen stringenter durchgehen wollte und glücklicherweise auch etwas Erfahrung mit Fall of Magic hatte. Zu dritt haben wir die Mechanismen dann zum Ende hin doch besser in den Griff bekommen. Dann war das Spiel allerdings auch schon vorbei. Ich hatte mich für die Kurzvariante des Spiels entschieden, weil sie drei bis vier Stunden dauern sollte. Das haben wir nicht hinbekommen, wir waren nach etwa zwei Stunden mit der Geschichte durch. Was an sich ja nichts Schlimmes ist.

Würde ich Pack of Strays: Wolf Run erneut spielen? Ich bin mir nicht sicher. Das Grundszenario finde ich toll und würde ich mit einem anderen Spielsystem oder freiförmig jederzeit erneut aufgreifen. Marker auf einem Spielfeld hin- und herzuschieben, entspricht doch nicht meiner Vorstellung von Rollenspiel. Andere mögen das unterschiedlich sehen, deshalb möchte ich hier keinen absoluten Daumen nach unten vergeben.

Es war eine sehr interessante Erfahrung mit einem meiner liebsten Themen: Werwölfe!


Ich werde das Spielmaterial relativ zeitnah zur Verfügung stellen, sodass auch andere Leute sich an Pack of Strays: Wolf Run versuchen können, wenn sie mögen.

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