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Die Entstehung von Karlsburg

Peter Kastberger schreibt über die gemeinsame Entwicklung des Spiels mit seiner Tochter.

981 Wörter, ungefähre Lesedauer 5 Min.

Inhalt

Titelbild zum Artikel 'Die Entstehung von Karlsburg'

Initialzündung

Karlsburg basiert auf den Ideen meiner Tochter. Zum damaligen Zeitpunkt habe ich viele Worlds of Adventure für Fate und Turbo Fate gelesen. Fate erschien mir damals genau richtig, um mit den Kindern zu spielen.

Und so sind wir irgendwann im Frühsommer 2016 zusammengesessen. Ich wollte wissen: „Wenn du dir eine eigene Welt für ein Rollenspiel ausdenken könntest, was wäre enthalten? Worum ginge es?“

Ihre Antworten hielten wir in einem Notizbuch fest:

  • etwas mit Menschen,
  • etwas mit vielen Rätseln,
  • etwas in der Zukunft,
  • etwas mit Superhelden,
  • etwas Extralustiges,
  • etwas mit Bösewichten,
  • etwas mit Zukunftsblumen,
  • etwas mit Action.

Tja, was einer (damals) Achtjährigen so alles durch den Kopf geht. Das Notizbuch haben wir immer noch:

Weitere Notizen

Basierend auf den Vorgaben meines Sonnenscheins habe ich noch weitere Skizzen und Notizen angefertigt:

Ich habe versucht, oft nachzufragen und Vorschläge zu machen. „Ist es das, was du dir vorstellst? Wie wäre es mit …? Passt das so für dich? Habe ich dich richtig verstanden?“

Auch mit dem Charakterbau haben wir begonnen.

Text des Charakterbaus aus der Grafik – Sheila: ehemalige Müllsammlerin aus ärmsten Verhältnissen. Wurde auf der Müllhalde von einer durch Umweltgifte mutierten Spinne verletzt. Ihr Gift hat ihren Körper angegriffen. Wurde von Nathalie von Butterbrut gerettet. Diese hat ihr die Implantate vepasst. Seitdem ist sie Mitglied der „Wunderwuzzis“, einer geheimen Organisation von Helden, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, das Böse zu besiegen. Der Katzenmensch-Cyborg Sheila hat letztendlich seinen Weg bis auf das Titelbild gefunden.

Die Spielsitzung mit TurboFate als System kam übrigens nie wirklich zu Stande. Notizen gingen verloren und es verlief sich im Sand. Fate als System fasziniert mich noch immer. Es liest sich so toll, aber in der Praxis kann ich es als Spielleiter nicht anwenden. Wir passen nicht zusammen.

Verzögerungen

Zur gleichen Zeit hatte ich aber schon begonnen, den Schnellstarter für das OneDice-Regelwerk von Cakebread & Walton (Clockwork and Chivalry) zu übersetzen. Normale W6 faszinieren mich noch immer – sind sie doch nahezu überall verfügbar. So können die Kids auch ohne einen Erwachsenen mit Spezialwürfeln im Beutel eine Spielsitzung starten.

Da die Übersetzung von OneDice doch viel Zeit in Anspruch nahm, blieb umso weniger Zeit für Karlsburg. Das Setting hatte damals aber noch keinen Namen. Die Notizen lagen lange Zeit unangetastet herum.

Frischer Wind

Erst ein gutes Jahr später, im Frühling 2017, kam wieder Bewegung in die Sache, als ich wieder mehr Zeit zum Zeichnen hatte. Töchterchen und ich wollten die neuen Marker ausprobieren und haben alte Notizen durchgeblättert. Und da machte es dann plötzlich wieder „Klick“. Skizzen wurden angefertigt, Karten wurden entworfen, weitere Charaktere erdacht und zu Papier gebracht.

Vieles wurde auch wieder verworfen. Ich kann mich noch gut erinnern, dass viel Zeit – sicher viel mehr, als sich erahnen lässt – in die Landkarte gesteckt wurde.

Mehrere Skizzen, Entwürfe und Versuche waren nötig, um überhaupt irgendetwas zu erhalten. Ursprünglich wollte ich eine isometrische Ansicht. Das hat aber überhaupt nicht geklappt und der Grafikstil wich zu sehr von den Zeichnungen der Charaktere ab. Auch Zeichnungen von Carl Barks wurden als Inspiration verwendet. Die Ansichten sollten vom Stil her denen von Entenhausen ähneln. Tja, hat auch nicht geklappt und so wurde ein großer Teil in die Tonne getreten und wir haben mit der Karte wieder von vorne begonnen.

Mit dem OneDice-Schnellstarter war zumindest ein (damals) passendes System zur Hand. Der Sommer wurde genutzt, um alle Notizen nochmals zu sichten und die Texte zu verfassen. Damit Karlsburg möglichst viele Menschen erreichen kann, wurden die Texte in Englisch verfasst. Die OneDice-Community auf Google+ half beim Korrekturlesen.

Töchterchen half natürlich ebenfalls mit und lernte bei der Gelegenheit, wie Zeichnungen am Scanner digitalisiert und abgelegt werden können. Beim anschließenden Drehen und Zuschneiden war sie ebenfalls mit an Bord und machte ihre ersten Schritte mit Gimp. Auf den eingescannten Originalbildern kann man noch gut die Striche und Flecken der Marker erkennen.

Ein Puzzle auf der Zielgeraden

Im Herbst waren dann fast alle Teile vorhanden. Sie mussten nur noch in ein einzelnes zusammenhängendes Dokument gebracht werden. Erst beim Zusammenfügen sind die bisher nicht bedachten Punkte aufgekommen: Anpassungen am Regelwerk, Charakterblatt, Einführungsabenteuer und Detailarbeiten. Einfügen von Änderungen. Lektorat. Korrektorat. Schriftarten mit passenden Lizenzen, Copyright-Hinweise. Programmabstürze. Projekte dauern halt doch immer länger, als man denkt.

Besonders beim Regelwerk waren mir ein paar Änderungen wichtig. OneDice ist ein nettes System. Aber es ist durchaus kampflastig und tödlich. Zwei Dinge, die ich so nicht haben wollte. Meine Tochter und ihre Freunde sollten ihre ersten Rollenspielerfahrungen nicht als marodierende Mörderhobos machen.

Dann war da auch noch das Titelbild. Wir hatten uns fest vorgenommen, nicht einfach nur in einer x-beliebigen Schriftart „Karlsburg“ dort stehen zu haben. Nein, es sollte schon ein klein wenig mehr sein. Somit wurde festgelegt, dass die Veröffentlichung warten musste, bis das Titelbild fertig war. Wieder wurden mehrere Skizzen gemacht, bis endlich etwas dabei war, das halbwegs brauchbar schien.

Natürlich musste auch das wieder digitalisiert werden. Mein Wacom-Tablet und myPaint! leisteten dabei gute Dienste.

Release und Re-Release

Aber am 13. November 2017 war es dann doch soweit. Nach rund eineinhalb Jahren war das Dokument soweit fertig, dass ich mir zutraute, es öffentlich zugänglich zu machen. Mit einem Blogeintrag und Hinweisen auf Google+ und Twitter entließ ich Karlsburg schließlich in die große, weite Rollenspielwelt. Aufgrund der gewählten Lizenz wurde es als Repository auf Github zur Verfügung gestellt.

Und nun?

Karlsburg wurde ein paar Mal heruntergeladen. Ob es überhaupt bespielt wurde, weiß ich nicht. Vermutlich nicht. Wenn ich den Zahlen auf Github Glauben schenken darf, waren es gerade mal eine Handvoll Downloads. Vielleicht ein Dutzend?

Macht aber nichts. Denn: Karlsburg ist für meine Tochter. Und daher arbeite ich auch gerade an der deutschen Übersetzung samt Erweiterung und mit einem neuen Regelwerk. Norbert Matauschs minimalD6 soll es werden. Ein freies Regelwerk für ein freies Setting. Ich freu’ mich schon!

Bildnachweis

Coverbild gestaltet von Peter Kastberger. Fotos ebenfalls von Peter.

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