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„Alpha | Omega“ – Ein regelleichtes Rollenspiel über Werwölfe

Thorsten hat um das neue minimald6-System herum ein Werwolf-Rollenspiel gebaut.

1558 Wörter, ungefähre Lesedauer 8 Min.

Logo zu Alpha | Omega

Ein minimald6-Rollenspiel über Werwölfe, inspiriert von Patricia Briggs‘ Urban-Fantasy-Universum.

Das Regelsystem minimald6 (von Norbert G. Matausch), und damit auch diese Variante, steht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International (CC BY-SA 4.0).

Allgemeines

Jeder Werwolf ist von Natur aus Gestaltwandler und transformiert sich physisch in einen Wolf. Der Vorgang selbst dauert mehrere Minuten, ist schmerzhaft und anstrengend. Da es sich nicht um einen magischen Prozess handelt, wird die Wandlung in der Regel ohne Kleidung vollzogen.

Jeder Werwolf beherbergt in seinem Bewusstsein eine Manifestation seines Wolfes. Sie steht für die Wolf-Seite und deren Eigenschaften in ihrer reinsten Ausprägung und wird meist als „Bruder“ oder „Schwester“ bezeichnet. Ein Werwolf ist bemüht, die menschliche und wölfische Seite möglichst in Einklang zu bringen. Es kann also sein, dass sich ein eher gelassener Mensch mit einem unruhigen und aufbrausenden Wolf auseinandesetzen muss oder umgekehrt. Je mehr die Seiten in Einklang sind, umso ausgeglichener ist die Person. Weitere Informationen findest du beim Attribut Kontrolle

Für Werwölfe haben die sozialen Regeln von Wolfsrudeln ein großes Gewicht. Ein Rudel ähnelt vom Gefüge her einem Team und oft einer engen Familie. Angehörige eines Rudels verspüren normalerweise ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl, es kann jedoch, wie in anderen Gemeinschaften auch, Animositäten geben. Integrierte Rudelwölfe würden ihr Leben im Kampf allerdings für das Rudel opfern, weil sie sozial einfach nicht anders können. Manchmal entwickeln Rudelmitglieder eine besondere Intuition, was die anderen Werwölfe betrifft. Die Spielleitung teilt dir entsprechende Gefühle und Erlebnisse mit.

Oft wird die Rangordnung durch Körpersprache und Blickkontakt bestätigt, nicht durch rohe Gewalt. Greift ein rangniederer Werwolf allerdings die Stellung eines ranghöheren Mitglieds im Rudel an, kommt es zu einer ritualisierten, physischen Auseinandersetzung. Dies führt niemals bis zum Tod, die Werwölfe können es sich nicht leisten, Rudelmitglieder einfach aufzugeben.

Werwölfe sind extrem tough und mit normalen Mitteln nur schwer zu töten. Normale Wunden regenerieren sie sehr schnell, durch Magie oder Silber verursachte Wunden heilen langsam und können im schlimmsten Fall permanenten Schaden anrichten.

Wird jemand durch die Zähne oder Klauen einer Werwölfin schwer verletzt, besteht die Möglichkeit, dass der Verwundete auch zum Werwolf wird. Das ist ein brutaler und gnadenloser Prozess, den nur starke Persönlichkeiten überleben. Im Regelfall töten Werwölfe schwerverletzte Gegner.

Was die Sichtbarkeit der Werwölfe in der Welt betrifft, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder operieren die Rudel im Verborgenen, um von den Menschen nicht ausgelöscht zu werden oder die Werwölfe haben sich der Menschheit offenbart und sind mehr oder weniger gut integriert.

Neben Werwölfen gibt es noch andere phantastische Wesen wie Vampire, Fae, Geister und Hexen.

Spieler

Attribute

Verteile folgende Werte auf die Attribute Kraft, Geschicklichkeit, Kontrolle, Intelligenz, Gesundheit und Dominanz: 5, 4, 3, 3, 2, 2. Die Werte deuten an, wie stark oder schwach ein Attribut ausgeprägt ist.

In der Werwolf-Form erhöhen sich die Attribute Kraft, Geschicklichkeit und Gesundheit um 2 Punkte oder bis zum Maximum von 6. Beispiel: Ein Attribut mit einem Wert von 3 erhöht sich auf 5, ein Attribut von 4 oder 5 erhöht sich auf 6.

Um in der Menschenform eine besseres Attribut der Wolfsform zu nutzen (z. B. höhere Kraft, um einen sehr schweren Metallpfeiler anzuheben), muss eine Würfelprobe auf Kontrolle bestanden werden. 1W6, Ergebnis kleiner oder gleich Attributswert.

Optional: Würfle für jedes der Attribute 1 W6, bei Dominanz zählt das Ergebnis 6 nicht.

Beachte bitte die Besonderheiten für Dominanz weiter unten.

Dominanz

Dominanz steht für Selbstsicherheit, Ausstrahlung und auch Einschüchterungsvermögen, nicht unbedingt für überragende körperliche Kraft. Sie zeigt darüber hinaus an, wo ein Werwolf in der Hierarchie des Rudels und gegenüber einzelnen Werwölfen steht. Es gibt keinen Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Werwölfen, beide Geschlechter können dominant oder unterwürfig sein.

Der Alpha, der Anführer eines Rudels, besitzt eine Dominanz von 5, das ist im Normalfall das Maximum. Die Dominanz des Alphas aller Werwölfe in Nordamerika beträgt zum Vergleich 6. Alphas sind für ihr Rudel verantwortlich, führen und verteidigen es und seine Werte. Führungsstile variieren von kooperativer Zusammenarbeit bis zu wohlwollender Diktatur oder Schlimmerem.

Der Beta ist als zweithöchstes Mitglied des Rudels die rechte Hand des Alphas. In dessen Abwesenheit führt er das Rudel an und sorgt für die Sicherheit der Gruppe. Die Dominanz des Betas liegt bei 4. Der Alpha wählt seinen Beta nach eigenen Kriterien aus, diese Wahl gilt für den bisherigen Rudelwolf als Stufenaufstieg (mehr dazu unter Spielleitung).

Normale Rudelwölfe haben eine Dominanz von 1 bis 4. Sie werden allgemein als unterwürfig (1) oder dominant (2-4) bezeichnet. Je höher der Wert, um so höher ist die Stellung im Rudel und Einzelgängern gegenüber. Werwölfe mit einer Dominanz von 4 können in den Rang des Betas aufsteigen. Ein Rudel besteht überwiegend aus dominanten Werwölfen.

Unterwürfige Werwölfe stehen in der Hierarchie des Rudels weit unten. Das bedeutet nicht, dass sie außerhalb des Rudels schüchtern, ängstlich oder schwächlich sein müssen. Unterwürfige Werwölfe sind auch nicht zwangsweise die Fußabtreter des Rudels, das hängt ganz von der Moral des Alphas ab.

Omegas besitzen eine Dominanz von 0 und stehen damit technisch außerhalb der Rudelhierarchie, sind in der Werwolfgemeinschaft allerdings sehr selten und ein wohlgehüteter Schatz. Sie gebieten über Fähigkeiten, die das Rudel zusammenhalten und sorgen für den wichtigen Ausgleich der Kräfte. Bislang sind nur weibliche Omegas bekannt.

Kontrolle

Werwölfe haben sowohl in ihrer menschlichen als auch der wölfischen Form ein besonderes Verhältnis zu ihrer inneren Kontrolle. Zunächst ist Kontrolle grundlegend eine Charakterfrage und ergibt sich auch aus dem Verhältnis zwischen Mensch und Wolf, wird aber natürlich von äußeren Umständen beeinflusst. Eine Werwölfin auf der Jagd oder in ihrem Beruf als Notärztin wird es schwerer haben, nicht unruhig, aggressiv oder sogar gewalttätig zu werden.

Je höher der Wert des Attributs, desto besser hat sich der Werwolf im Griff. Bei einem Wert zwischen 1 und 3 ist er bei einer Würfelprobe im Nachteil, bei einem Wert von 4 bis 6 im Vorteil.

Rollen

Du beginnst das Spiel als Rudelwolf auf Stufe 2, als Alpha, Beta oder Omega auf Stufe 3. Wähle eine der folgende Rollen aus sowie 2 bzw. 3 Fähigkeiten aus der dazugehörigen Liste. Die Spielleitung hat sich die Details schon vorher ausgedacht oder ihr besprecht es zusammen.

Die Fähigkeiten könnten bei Würfelwürfen Vorteil geben und/oder bestimmte Effekte erzeugen. Die Fähigkeiten sind lediglich Beispiele. Wenn dir andere einfallen, benutze sie gerne, um deine Figur zu personalisieren.

Alpha (3): Telepathischer Ruf, Krafttausch, Führung, stärkere Regeneration

Beta (3): Führung, Kraftaustausch, Magieresistenz, Schnelle Wandlung

Omega (2): Empathie, Seelische Heilung, Kraftaustausch, Balance

Rudelwolf (2): Magie spüren, Kraftaustausch, Schnelle Wandlung, Magieresistenz

Berufe

Werwölfe sind im Prinzip normale Menschen und gehen normalen Berufen nach. Denke dir einen aus, zum Beispiel Buchhändler, Polizist, Call Center Agent, Tagelöhner, … Welche Fertigkeiten ein Beruf mit sich bringt, regelst du im Spiel nach dem gesunden Menschenverstand und im Austausch mit der Spielleitung. Bedenke, dass bestimmte Berufe es einer Werwölfin schwer machen können, die innere Kontrolle zu behalten.

Regelsystem

Beschreibe während des Spiels, was deine Figur tut. Würfle 2 sechsseitige Wüfel (kurz: „W6“), wenn du etwas versuchst, das schiefgehen könnte. Die Spielleitung sagt dir Bescheid, wann du würfeln solltest.

Bist du im Vorteil (hilfreicher Gegenstand, hohes Attribut, guter Plan, …), nimm einen weiteren Würfel dazu, um die Wahrscheinlichkeit des Erfolgs zu erhöhen. Die maximale Anzahl an Würfeln pro Wurf ist 3. Bist du im Nachteil (niedriges Attribut, Hindernis, …), nimm einen Würfel weniger. Die minimale Anzahl an Würfeln pro Wurf ist 1. Ein Ergebnis von 5 oder 6 auf einem der Würfel bedeutet Erfolg und du schaffst die Handlung.

Spielleitung

Du repräsentierst die Spielwelt und alle Nebenfiguren darin.Wann du die PDF erzeugst

Allgemeines

Würfelwürfe verändern etwas. Ist der Ausgang einer Handlung wahrscheinlich erfolgreich, klappt sie ohne Wurf. Wenn die Handlung schiefgehen könnte, würfle oder lasse würfeln. Wenn eine Handlung unmöglich ist, teile es den Spielern einfach mit. Du entscheidest über besondere Erfolge.

Kampf und Heilung

Bei Erfolg im Kampf wird dem Gegner 1 Punkt Gesundheit abgezogen und du beschreibst den Effekt. Eine hohe Gesundheit bedeutet dementsprechend, dass der Gegner viel Schaden einstecken kann. Werwölfe regenerieren Wunden sehr schnell und zwar nach deiner Vorstellung, zum Beispiel 1 Punkt pro Minute oder vollständige Erholung in einer kurzen Verschnaufpause.

Optional: Kämpfen Gruppen gegeneinander, hat die kleinere/schwächere Gruppe Nachteil, die größere/stärkere Gruppe Vorteil. Ist der zahlenmäßige oder stärkemaßige Gruppenunterschied zu groß, verliert die viel kleinere/schwächere Gruppe automatisch.

Stufenaufstieg

Wenn die Geschichte und Handlungen einer Figur es begünstigen, steigt sie eine Stufe auf. Die Spielerin sucht sich eine weitere Fähigkeit ihrer Rolle aus, nach Absprache eventuell auch aus einer anderen Rolle. Wird ein Werwolf zum Beta erwählt, darf sich die Spielerin eine weitere Fähigkeit aussuchen.

Nebenfiguren

Arbeite Nebenfiguren so grob oder detailliert aus, wie du möchtest. Du kannst ihnen Werte und auch spezielle Fähigkeiten geben, wenn du möchtest.

Der Dilemmawürfel

Optional: Nimm zu Würfelwürfen einen weiteren W6 hinzu. Wenn der Dilemmawürfel eine 6 zeigt, passiert etwas Negatives, zusätzlich zum Ergebnis der normalen Würfel.

Credits

Dank geht an Norbert G. Matausch für seine minimald6-Regeln. Sie haben mich, eines Nachts, zu diesem Spiel inspiriert. Du rockst, Norbie. Die (englischsprachige) Community zum Spielsystem findet ihr bei G+. Meine Freundin hat mir bei den Rollenfähigkeiten geholfen. Ein Shoutout geht auch an Marcus Burggraf, der mir Einblick in etwas gab, an dem er gerade arbeitete, was mich zusätzlich motiviert hat.

Während der Erstellung dieses Textes habe ich „The Legacy Collection, Volume II“ von Dynatron und das Album „Offworld“ von Celldweller gehört. Ein knuddeliger Kater war auch immer in Reichweite.

Bildnachweis

Cover: „Triangle wolf design“, designed by freepik.

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